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Faszinierendes Vietnam – Rezension

Mit diesem Bildband bietet der Flechsig Verlag einen ersten Überblick für Interessierte. Mario Weigts Fotografien erregen Fernweh, während Hans H. Krügers Texte über Grundsätzliches informieren.

Die Einleitung umreißt Landesgeschichte sowie Zeitgeschehen, nicht ohne kontrastierende Ausschnitte einer subjektiven Lebenswirklichkeit einzufügen. Der Abschnitt über Huê und dessen Umgebung ist der Nguyen-Dynastie gewidmet. Der Autor erörtert skizzenhaft die Historie der letzten Könige, erläutert die von ihnen hinterlassenen Spuren, bezieht jedoch konsequent Zustandsbeschreibungen der Gegenwart ein. Die beiden anderen Kapitel befassen sich mit der nördlich gelegenen Hauptstadt Hanoi sowie der Wirtschaftsmetropole Saigon (Ho Chi Minh), im Süden des Landes. Darin verknüpft der Autor geografische, klimatische und kulturelle Gegensätze mit jenen wirtschaftlicher und sozialer Natur, um die Widersprüchlichkeit des Landes zu verdeutlichen.

Krügers Stil ist journalistisch, sein Blick distanziert. Dennoch äußert er sich wohlwollend über Vietnam und dessen Einwohner. Jedem Satz ist anzumerken, dass hier jemand in der Absicht schreibt, Zuneigung für das südostasiatische Land zu wecken. Dies gelingt dem Autor, indem er einerseits die Vietnamesen selbst zu Wort kommen lässt und somit Einblick in die Eigenwahrnehmung der Bevölkerung gewährt. Andererseits schaut er, als in Japan lebender Europäer, auf eine zwischen Moderne und Tradition befindliche Kultur, deren Konstanten sowohl Wandel als auch innerer Widerspruch sind. Sobald Krüger zu diesem Stilmittel greift, nimmt er sich zurück: Indem er lediglich Faktisches gegenüberstellt, lädt er den Leser ein, eigene Schlüsse zu ziehen.

Faszinierendes Vietnam

Faszinierendes Vietnam

Weigts Panoramen begleiten jedes Kapitel; ganz- oder doppelseitige Fotografien untermalen bereits Gelesenes. Dabei entsteht mitunter der Eindruck, als hätten Autor und Fotograf verschiedene Blickwinkel. Die Bilder betonen einen Aspekt etwa besonders, während dessen Kontrast ausschließlich dem Text zu entnehmen ist. Was Krüger und Weigt aber eint, ist ihre positive Haltung gegenüber dem Gegenstand ihrer Betrachtung. Wie auch der Text, so zeugt jede der Fotografien von Respekt, mitunter sogar von Bewunderung – Sensation entsteht hier nicht beabsichtigt, sondern einzig durch das abgebildete Objekt.

Ein 92 Seiten umfassender Bildband ist grundsätzlich nicht in der Lage, die informationelle Tiefe eines Standardwerks zu erreichen. Er kann jedoch Neugier entfachen, was diesem Buch ausgezeichnet gelingt. Nicht zuletzt dem klug durchdachten Text ist es zu verdanken, dass „Faszination Vietnam“ seinem Titel gerecht wird.
Wünschenswert ist allerdings eine überarbeitete Auflage, denn das Buch wurde bereits im Januar 2009 veröffentlicht. Wenngleich der Band also nicht ganz aktuell ist, sei er dennoch empfohlen: Krüger und Weigt übermitteln dem Leser ihr Gespür für das Land, in ihrer ganz eigenen, liebenswürdigen Art.

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