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Hanoi und Halong Bay

Viele Stunden nach unserem Abflug aus Moskau kamen wir mit der Aeroflot-Maschine in Hanoi an. Das von den Flugbegleiterinnen servierte Essen war furchtbar, ansonsten war es ein sehr angenehmer Flug. Es schienen auch ein paar sehr wichtige Politiker der vietnamesischen KP an Bord zu sein, sie wurden auf dem Flughafen von einer Militärdelegation mit einem riesigen Blumenstrauß und viel Händeschütteln begrüßt.Wir hatten vorab eine scheinbar ideale Übernachtungsmöglichkeit gebucht, mitten im Herzen der Altstadt im Zentrum von Hanoi. Aber der ganze Verkehr von Motorrädern und umherziehenden Menschenmassen war anstrengend und verursachte Kopfschmerzen. Trotzdem fühlte es sich sehr atmosphärisch an und irgendwie auch französisch, auch wenn die Tage der einstigen Kolonialmacht schon lange zurücklagen. Am Ende der Straße lag ein wunderschöner See, wo sich viele Menschen für ihre Thai-Chi-Übungen eingefunden hatten.

20. Juli 1984

Der Wahnsinn dieser Stadt ist unbeschreiblich. Der allgegenwärtige Lärm, die Reizüberflutung, die zahllosen Motorräder, die vielen Verkäufer mit ihren Waren in den Körben an den Enden der Bambusstangen auf ihren Schultern. Ein ausgezeichneter Ort, um einen Herzstillstand zu bekommen! Im Vergleich dazu ist Bangkok ein Spaziergang im Park. Wir tranken Bia Ha Noi, ein sehr erfrischendes Lagerbier.

Wir sind aus unserem Hotel raus, da wir die letzte Nacht aufgrund des überlauten Straßenlärms überhaupt nicht schlafen konnten – trotz Ohrenstöpseln. Wir wechselten ins Hotel Mekong am anderen Ende der Altstadt und machten anschließend per Fahrradrikscha eine kleine Erkundungstour. Wieder erinnerten uns die Gebäude an Paris, das Opernhaus war besonders beeindruckend. Ebenso großartig war das Essen: Vietnamesische Frühlingsrollen, Nudelsuppe, Pfannkuchen gefüllt mit Zucker, Erdnüssen und Tofu und Reisnudeln mit Gurken.

22. Juli 1984

Wir fuhren zur Bucht von Halong, rund drei Stunden Busfahrt von Hanoi entfernt. Ein fantastisches Erlebnis, auch wenn Hitze und Luftfeuchtigkeit wirklich extrem waren. Wir fuhren per Dschunke rund um den Hafen, der von wunderschönen Kalksteinklippen umgeben ist. Auf dem Boot wurde ein großartiges Festessen mit Fisch und Meeresfrüchten aufgetischt. Das Boot machte einen kurzen Stopp, so dass die Leute schwimmen und tauchen konnten. Die Touristen waren bunt gemischt: Ein niederländisches Ehepaar lebte in China und erzählte uns vom Leben in Peking. Ein anderes belgisch-italienisches Paar lebte in Hong Kong.

Anschließend folgte unser Pflichtbesuch bei „Onkel Ho“. Das vietnamesische Volk verehrte ihn wirklich sehr, hat er die Nation doch vom französischen und US-amerikanischen Imperialismus befreit! Das Mausoleum war sehr imposant und mit dem gewohnten sozialistischen Prunk und ausgeprägter Militärpräsenz. Wir sahen Ho Chi Minhs zur Schau gestellten einbalsamierten Körper, der einen irgendwie familiäreren Eindruck machte als der in Moskau aufgebahrte Lenin. Danach besuchten wir das Armee-Museum, wo Artillerie und abgeschossene Flugzeuge aus dem Indochina- und Vietnamkrieg ausgestellt waren. Wieder wurde uns bewusst, was für schreckliche Jahrzehnte das vietnamesische Volk hinter sich hatte mit der französischen Kolonialbesetzung und dem US-amerikanischen Vernichtungskrieg. Das war dann auch leider schon das Ende unserer spannenden Vietnamreise. Früh am nächsten Morgen fuhren wir per Taxi zum internationalen Nội Bài-Flughafen, wo wir wenige Tage zuvor auch angekommen waren. Mit halbstündiger Verspätung konnten wir einchecken, dann ging es – erneut mit Aeroflot – über Ulan Bator und Zelinograd nach Moskau, und von dort aus mit Interflug über Minsk und Warschau zurück in unsere schöne Heimat von Berlin-Friedrichshain.

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