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Soc Trang

Soc Trang ist der Name einer vietnamesischen Provinz im Mekong-Delta sowie der dazugehörigen Provinzhauptstadt zu beiden Seiten des Flusses Maspero. Alljährlich wird die überschaubare Ort zum Schauplatz beeindruckender Langbootrennen während des Ok Om Bok-Festivals. Darüber hinaus zählt diese Region zu den am stärksten von den Khmer geprägten Gegenden im Delta. Ein Besuch in Soc Trang ersetzt zwar keine Reise nach Kambodscha, doch aufgrund der zahlreichen Khmer-Heiligtümer bekommen Besucher einen guten Eindruck von der meisterhaften architektonischen Leistung kambodschanischer Baukunst. Schließlich hat die filigrane Khmer-Architektur den Baustil der Tempel in vielen Ländern Südostasiens maßgeblich beeinflusst.

Die Provinz

Die Provinz Soc Trang erstreckt sich im Südosten des Mekong-Delta über eine Fläche von etwa 3200 km². Der größere Mekong-Seitenarm Hau und der kleine Fluss My Thanh durchqueren die Provinz und münden in das Südchinesische Meer. Soc Trang hat eine Küstenlinie von 72 Kilometer mit einem schmalen Gürtel aus Mangrovenwäldern, der die Küste vor Erosion und Überschwemmungen schützt. Im Norden begrenzt der Fluss Hau die Provinz und bietet mit My Phuoc und Cu Lao Dung zwei für Besucher sehenswerte Inseln.

Ursprünglich lautete der kambodschanische Name für diese Provinz Srok Kh‘leang. Erst seit etwa 300 Jahren gehört sie zu Vietnam. Übersetzt bedeutet der Name so viel wie Silber-Depot, denn es war die Silberschatzkammer der Khmer-Könige. Heute sind die Haupteinkommenszweige der Provinz die Landwirtschaft und die Fischerei.

Die Bevölkerung, insgesamt 1,2 Millionen Menschen, setzt sich in der Mehrheit aus Vietnamesen und einem Drittel kambodschanisch-stämmiger Khmer zusammen, sowie einer etwa achtprozentigen chinesischen Minderheit der Hoa. Die Provinz ist aufgrund der mehr als 200 Tempel weit über das Mekong-Delta hinaus bekannt, in erster Linie aufgrund der fast 90 Pagoden im Khmer-Stil. Sie sind es, die die Besucher hierher und in ihren Bann ziehen. Zu den berühmtesten Tempeln zählen die Fledermaus- und die Lehmpagode.

Die Stadt

Die zehn Stadtbezirke von Soc Trang beherbergen rund 170.000 Einwohner. Die Stadt hatte in der Vergangenheit ebenfalls viele unterschiedliche Namen, Khanh Hong ist nur einer davon. Der Ort ist umgeben von endlosen Reisfeldern und riesigen Obstplantagen, wo Orangen, Rambutan-, Durian- und Longan-Früchte prächtig im tropischen Klima gedeihen. In der Region gibt es unzählige Shrimp-Farmen, die Garnelen weltweit exportieren. Außerdem stellen einige Produktionsbetriebe die berühmte Garnelenpaste her.

Die Menschen sind gastfreundlich, auch wenn die englische Sprache nicht so verbreitet ist, dennoch wird man sich verständlich machen können. Die Stadt lässt sich mühelos zu Fuß erkunden, allerdings geht es mit dem Xe om-Motorradtaxi deutlich bequemer bei diesen tropischen Temperaturen. Der Preis ist vor der Fahrt auszuhandeln.

Soc Trang

Soc Trang ©TK

Warum gerade nach Soc Trang?

Soc Trang eignet sich perfekt für einen Besuch abseits der großen Touristenströme im Mekong-Delta. Die von Wasserwegen durchzogene Region hat eine der schönsten Landschaften Vietnams zu bieten. Einige Inseln lassen die hektischen Metropolen des Landes schnell vergessen und zeigen eine ganz andere Seite dieses außergewöhnlichen Landes. Zudem lockt die lokale Küche mit exzellenten Speisen, wie beispielsweise Bun Goi Da, einem Gericht bestehend aus einer aromatischen Brühe, Reisnudeln, Schweinefleisch, Garnelen, Sojasauce, klein geschnittenem roten Chili und frischen Kräutern. Für die vegetarische Variante kommt frisches Gemüse zum Einsatz. Der Hauptgrund für einen Abstecher in diese Gegend dürfte jedoch die immense Vielfalt verschiedener Tempel sein.

Chua Doi-Pagode – Fledermauspagode

Der im 16. Jahrhundert erbaute und manchmal Mahatuc genannte Tempel befindet sich rund zwei Kilometer südlich vom Zentrum der Stadt. Einzigartig ist die Fledermauspagode gleich aus zweifacher Sicht: Einerseits ist das Khmer-Heiligtum bekannt für seine wunderschöne Architektur und die große Dachkonstruktion. Andererseits ziehen sich tagsüber tausende Flughunde mit einer Flügelspannweite bis zu 1,50 Meter auf das Tempelareal zurück und ruhen sich auf den Bäumen hinter der Pagode und unter dem Pagodendach hängend aus. Bei Anbruch der Dämmerung gehen sie auf Raubzug und fallen über die Obstplantagen der Umgebung her. Damit machen sie sich allerdings bei den Farmern sehr unbeliebt und so landen hin und wieder einige Tiere als willkommene Abwechslung auf den Tellern der Plantagenarbeiter.

Das Äußere des Tempels ziert eine farbenprächtige Fassade. Die ursprüngliche Innenausstattung mit wunderschönen Möbeln wurde bei einem Brand vor einigen Jahren bedauerlicherweise zerstört. Eine alte Buddha-Statue hat das Unglück überlebt. Im Inneren werden buddhistische Schriften aufbewahrt, geschrieben auf Palmenblättern der Zuckerpalme. Gegenüber des Tempels befindet sich ein buddhistisches Krematorium.

Chua Dat Set – Lehmpagode

Der komplett aus Lehm erbaute Tempel ist auch unter dem Namen Buu Son Tu bekannt. Er befindet sich nördlich des Flusses in der Ton Duc Thang-Straße, unweit des kleinen Sees Ho Nuoc Ngot und gegenüber des Friedhofs mit den für westliche Besucher eigenartig wirkenden Hügelgräbern.

Gerade weil die Lehmpagode auf den ersten Blick nicht als Tempel zu erkennen ist und eher einem typischen Haus dieser Gegend gleicht, zieht es große Gläubigermassen an diesen heiligen Ort. Er entstand vor über 200 Jahren durch die chinesische Familie Ngo. Einer der Nachkommen, der Künstler und Mönch Ngo Kim Tong, arbeitete über 42 Jahre, bis zu seinem Tod im Jahr 1970, an der Pagode und schuf die Innenausstattung komplett aus Lehm sowie die Buddha-Statuen und Tierfiguren.

Beeindruckend ist der große Elefant mit sechs Stoßzähnen im Eingangsbereich, der Buddhas Mutter im Traum erschienen sein soll. Auch der dahinter stehende Hauptaltar, der aus fünf Tonnen Lehm besteht, weiß zu imponieren. Er ist mit über tausend auf Lotusblüten sitzenden Buddha-Figuren verziert. Mindestens ebenso sehenswert ist der vier Meter hohe Nachbau eines chinesischen Turmes. In vielen kleinen Kämmerchen sitzen 200 Buddhas und Drachenfiguren verzieren den Turm.

Seit dem Tod von Ngo Kim Tong brennen im Inneren der Pagode sechs Riesenkerzen, von denen jede beim Entzünden über 2,60 Meter hoch war und 200 Kilogramm gewogen hat. Angeblich sollen die Kerzen 70 Jahre brennen.

Khleang-Pagode

Die Khleang-Pagode zählt zu den ältesten Tempeln der Stadt und erinnert an die Pagoden der Khmer in Kambodscha. Sie wurde 1533 aus Holz und mit einem Dach aus Palmblättern erbaut. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts erhielt sie Steinmauern und ein festes Dach mit Ziegeln. Über das Jahr verteilt werden hier sieben religiöse Feste gefeiert. Die Zeremonien finden im zentralen Heiligtum statt. Dessen Innenwände sind mit Wandmalereien aus dem Leben Buddhas geschmückt. Um diese Pagode stehen einige Stelzenhäuser aus Holz, die den Mönchen als Wohnraum dienen. Des Weiteren gibt es ein Krematorium und einen Turm für die Aufbewahrung der Asche von Verstorbenen.

Novizen lernen in der gegenüberliegenden Pothi-Schule die Sprache der Khmer. Außerdem werden dort die historischen Schriften aufbewahrt, die über die Entstehung der Stadt und der Pagode berichten.

Khmer-Museum

Das Khmer-Kultur-Museum befindet sich ebenfalls direkt gegenüber der Khleang-Pagode in der Nguyen Chi Thanh 23. Das in typischer Khmer-Architektur errichtete Gebäude ist gleichzeitig eine Art Kulturzentrum der Khmer-Gemeinde, die sich hier trifft und traditionelle Tänze zur Musik aus Kambodscha aufführt.

Soc Trang-Museum

Im Museum ist die für diese Region typische Innenholzvertäfelung eines Hauses maßstabsgerecht dargestellt. Neben einigen Fotos und Keramiken sind kambodschanische Kleidungsstücke ausgestellt. Der für vietnamesische Museen obligatorische US-Panzer steht auch vor dem Museum. Das Museum liegt direkt an der Hung Vuong-Straße.

Chua Xa Lon – Chen Kieu-Pagode

Die im modernen Khmer-Stil errichtete Pagode befindet sich rund 12 Kilometer südwestlich von Soc Trang auf der Straße nach Phu Loc. Sie ist bequem per Xe om erreichbar.

Die 1815 erbaute Pagode wurde von den Amerikanern im Krieg zerbombt. Da für den Wiederaufbau keine großen finanziellen Mittel zur Verfügung standen, stifteten die Gläubigen Porzellanscherben, die zum Verzieren der Außenwände verwendet wurden. Im Inneren sind 20 Buddha-Statuen zu sehen. Zur Pagode gehört eine Schule, in der Sanskrit und die buddhistische Lehre unterrichtet werden.

Schwimmender Markt

Etwas umtriebiger geht es auf dem schwimmenden Markt zu, den man als Asien-Reisender keinesfalls verpassen darf. In dieser heißen Region waren die Menschen schon immer abhängig vom Wasser und deshalb siedelten sie an Flüssen oder Seen. Aufgrund der Regenzeit bauten sie ihre Häuser oftmals auf Stelzen und lebten damit die Hälfte des Jahres sogar auf dem Wasser. Die Ansiedlungen in den ehemaligen Sumpfgebieten waren durch Wasserwege und Kanäle miteinander verbunden, richtige Straßen entstanden erst später mit dem Eintreffen der französischen Kolonialmacht. Deshalb war für die Bevölkerung das Boot die erste Wahl als Transport- und Verkehrsmittel und folglich wurden die Waren direkt auf dem Wasser, von Boot zu Boot, verkauft.

Die schwimmenden Märkte im Mekong-Delta unterscheiden sich alle voneinander. Einer dieser Plätze aus Hunderten von Booten und Kanus ist in der Stadt Nga Bay, etwa 50 Kilometer nordwestlich von Soc Trang. Er nennt sich Nga Nam floating market. Seine Besonderheit: An diesem Ort treffen fünf Flüsse aus unterschiedlichen Richtungen aufeinander.

Am geschäftigsten geht es zwischen 5 und 6 Uhr morgens zu, wenn sich die ersten Sonnenstrahlen über den Horizont erheben, doch der Markt hat Tag und Nacht geöffnet. Es gibt hier so gut wie alle Waren zu kaufen: Es fängt an bei jedem nur erdenklichen Grundnahrungsmittel und endet mit elektronischen Produkten. Vor dem Neujahrsfest steigt das Warenangebot noch einmal deutlich an. Nga Nam zählt zu den beliebtesten schwimmenden Märkten im Süden Vietnams.

Tan Lang Storchenpark

Ganz in der Nähe des schwimmenden Marktes kommen Naturliebhaber voll und ganz auf ihre Kosten. Wer für fünf Kilometer der Provinzstraße 42 folgt, gelangt zu einem privaten Naturreservat. Auch per Boot kommt man nach Tan Lang. Der Park ist im Privatbesitz eines Mannes namens Huynh Van Muoi, der hier seit mehr als 30 Jahren ein einzigartiges Refugium für Störche und Reiher erschaffen hat. Inmitten seines Parks errichtete er einen 10 Meter hohen Turm für Besucher, der einen atemberaubenden Ausblick auf die typische Mekong-Delta-Landschaft und ihre Bewohner erlaubt. Darüber hinaus bietet das Anwesen schöne Obstgärten sowie einen Garten, der als Veranstaltungsort für traditionelle Musik- und Tanzvorführungen dient. Für das leibliche Wohl wird selbstverständlich bestens mit typischen Gerichten Südvietnams gesorgt. Idealerweise kombiniert man den Besuch des schwimmenden Marktes mit einem anschließenden Besuch des familiengeführten Naturschutzgebietes.

Ok Om Bok-Festival

Einmal im Jahr findet das Ok Om Bok-Festival vom 14. auf den 15. Tag des zehnten Mondmonats statt, also im Oktober beziehungsweise im November. Zu dieser Zeit sind die Hotelzimmer lange im Voraus bereits ausgebucht. Es ist ein Fest zu Ehren des Mondes, der für die Khmer eine Gottheit darstellt, denn der Mond ist ihrer Ansicht nach für das Wetter verantwortlich. Das Fest feiern sie in den Tempeln und in ihren Häusern.

Am Vorabend bringen die Gläubigen Opfergaben dar; sie beten für Glück, gutes Wetter und eine ebenso gute Ernte. Während einer Zeremonie werden sowohl schwimmende Lichter auf das Wasser als auch fliegende Papierlaternen in den Himmel entlassen. Damit vertreiben die Einheimischen das Unglück, das Alte, das Unreine und die Trauer aus dem Leben. Auch die Vietnamesen und Chinesen beteiligen sich an diesem Fest, das Besucher aus ganz Vietnam in die Region zieht.

Ngo-Langbootrennen

Am darauffolgenden Tag findet das Ngo-Langbootrennen auf dem Maspero-Fluss statt. Es ist der Höhepunkt des Ok Om Bok-Festes. Zunächst gibt es mehrere Ausscheidungswettkämpfe. Die Gegner treten in langen, schmalen Ruderbooten gegeneinander an. Dem Sieger winkt ein hohes Preisgeld. Doch bereits vor dem Wettkampf bringen sich die Besucher mit dem kambodschanischen Romvong-Tanz und traditionellen Gesängen in Stimmung.

Sehenswerte Inseln in der Provinz Soc Trang

Ruhig und entspannt geht es auf der kleinen Insel My Phuoc zu. Die Insel liegt nördlich der Stadt Soc Trang, ca. eine halbe Stunde Bootsfahrt vom kleinen Ort Ke Sach entfernt. Etwa 10 Kilometer sind es von dort bis nach My Phuoc, wo man herrlich von den leckeren tropischen Früchten vor Ort naschen kann. Zusätzlich bietet die Insel einen erfrischenden Aufenthalt inmitten der kühleren Flusslandschaft.

Auch die fast 25.000 ha große Insel Cu Lao Dung ist einen Ausflug wert. Sie liegt im Fluss Hau und ist die wohlhabendste Region der Provinz. Touristen werden hier von den Einheimischen herzlich willkommen geheißen, gelegentlich auch mit einer erfrischenden Kokosnuss zur Begrüßung. Am Abend tummeln sich unzählige Glühwürmchen an den Wasserkanälen und es entsteht eine magische Atmosphäre.

Klima

Der Ozean beeinflusst das Wetter in der Provinz Soc Trang maßgeblich. Es lassen sich zwei Jahreszeiten unterscheiden, die Regenzeit von Mai bis November und die Trockenzeit von Dezember bis April. Obwohl es während der Regenzeit zu überraschenden Regenfällen kommen kann, ist Soc Trang dennoch ganzjährig als Reiseziel zu empfehlen. Wie im übrigen Mekong-Delta, beträgt die jährliche Durchschnittstemperatur etwa 27 Grad Celsius.

Anreise

Soc Trang ist verkehrstechnisch gut über die Nationalstraße 1 an das übrige Delta angeschlossen. Selbst nach Ho-Chi-Minh-Stadt sind es lediglich 230 Kilometer, die in sechs Autostunden zu bewältigen sind. Mit einer Flugverbindung von dem Flughafen in der 60 Kilometer nordwestlich gelegenen Nachbarstadt Can Tho geht es freilich bedeutend schneller.

Der Busbahnhof befindet sich in der Nguyen Chi Thanh-Straße nahe der Kreuzung zur Hung Vuong-Straße. Von hier verkehren tagsüber Busse nicht nur nach Ho-Chi-Minh-Stadt, sondern auch in die größeren Städte im Mekong-Delta, wie beispielsweise nach Can Tho und Ca Mau.



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